Neuigkeiten aus dem Waisenhaus :-)

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Hallo ihr Lieben,

ich möchte euch über meine neuesten kleinen großen Erfolge berichten. Ich hatte viele gute Ideen, wie ich die Situation im Waisenhaus verbessern könnte und einige meiner Träume konnte ich nun unter anderem durch deutsche Spendengelder wahr werden lassen.
Als ich in Rulenge ankam und zum ersten Mal im Waisenhaus war, ist mir sofort aufgefallen, dass die Kinder kaum Spielmöglichkeiten haben. Die Spielsachen werden weggesperrt, da die Schwestern Angst vor Verschleiß haben. Also dachte ich mir, dass wir irgendetwas brauchen, das immer da ist. Etwas, das die Schwestern nicht wegsperren können. Etwas, das auch bei Regen und Wind draußen stehen bleiben kann. Es war schon eine sehr instabile Wippe vorhanden, bei der jedoch die Sitze fehlten und auch ein Schaukelgerüst war schon da, das sich jedoch sehr verbogen hatte und für die Kinder gefährlich wurde, als sich mein Mitfreiwilliger hingehangen hatte.

Mit der Zeit fand ich heraus, dass es in Rulenge einen Elektriker gibt, der auch für Schweißarbeiten zuständig ist und an den ich mich diesbezüglich wenden kann. Bevor ich jedoch von den Spendengeldern erfuhr, wollte ich den Spielplatz mit meiner eigenen Arbeitskraft attraktiver und abwechslungsreicher gestalten. Und so überlegte ich, was ich aus den vorhandenen Materialien bauen könnte. Paul, der Australier, kaufte für das Waisenhaus ein stabiles Seil, aus dem wir ein großes Kletternetz knoteten. Da bereits zwei hohe Metallpfosten vorhanden waren, an denen wir das Netz befestigen konnten, war die einzige Schwierigkeit, das Kletternetz möglichst stabil zu bauen. Mit Severins Hilfe bekamen wir das aber super hin. Obwohl das Netz teilweise als Wäscheleine von den Helferinnen missbraucht wird, haben die Kinder eine Menge Spaß auf dem ca. 9 m² großen Kletternetz herumzuturnen.

Das Kletternetz

Das Kletternetz

Zudem fanden wir auf dem Missionsgelände einen großen ungenutzten Traktorreifen. Nachdem wir uns versichert hatten, dass der Reifen nicht mehr benötigt wird und wir ihn für das Waisenhaus nehmen dürfen, machten wir uns an die Arbeit. Wir buddelten ein Drittel des Reifens ein, sodass der Rest wie eine große Brücke aus der Erde schaut. Aber obwohl die Kinder eine Menge Spaß mit den neuen Spielalternativen hatten, war das instabile Schaukelgerüst immer noch sehr interessant.

Furaha =)

Meine kleine Furaha auf dem Kletterreifen

Meine kleine Furaha auf dem Kletterreifen

Furaha und Rehema =)

Als ich schließlich von den Spendengeldern erfuhr, wusste ich sofort für was ich diese Gelder ausgeben werde. Ich kontaktierte Samuel (den Elektriker/Schweißer). Wir trafen uns im Waisenhaus und ich zeigte ihm die Missstände. Er sollte zunächst die rostige und instabile Wippe auf Vordermann bringen, sie zusammenschweißen sowie neue Sitze befestigen. Bevor die großen Holzsitze an der Wippe montiert wurden, konnten nur die größeren Kinder wippen. Sie setzten sich wie im Damensattel auf die Metallstangen und mussten das Gleichgewicht beim Wippen halten. Dank der Sitze können jetzt auch die kleineren Kinder die Wippe sicher benutzen.

Boazi und Neema auf der reparierten Wippe =)

Alfonsi und mein kleiner Mtalemwa auf der Wippe =)

Auch das verbogene Schaukelgerüst sollte Samuel retten. Er besorgte eine neue, stabilere Metallstange und ersetzte damit die kaputte Stange. Während der Spielzeiten kann ich jetzt ohne Bedenken die zwei Schaukeln an dem Gerüst aufhängen. Es ist zwar jedes Mal ein Kampf, wenn es darum geht wer schaukeln darf, aber mit der Zeit lernen meine kleinen Rabauken zu warten und abzuwechseln. Die Großen helfen den Kleinen, sie schupsen sich gegenseitig an und es kullern immer weniger Tränen, wenn es heißt „Ende der Schaukelzeit, jetzt wird wieder abgewechselt“.

Eine strahlende Furaha

Ein glücklicher Mtalemwa

Meine Mäuse =)

Eine tolle neue Spielmöglichkeit

Achtung Drehwurm =)

Da ich noch etwas dauerhaftes Materielles den Kindern mitgeben wollte und die Spendengelder noch nicht ganz aufgebraucht waren, spielte ich mit den Gedanken, eine Rutsche zu bauen. Am Anfang war es nur eine Idee, aber mit der Zeit setzte sich dieser Gedanke so sehr in meinem Kopf fest, dass ich anfing, verschiedenste Skizzen und Zeichnungen von den unterschiedlichsten Rutschen zu machen. Da war aber nicht nur das Problem, dass ich nicht wusste, ob es eher eine Wellenrutsche, oder eine normale Rutsche werden sollte, eine große, oder eine kleine, eine für ältere Kinder, oder auch eine für 2-3-jährige Kinder, eine flache, oder eine steile Rutsche, eine mit einer Leiter/Treppe, oder eher eine Rutsche, die an einem Hügel/Hang befestigt ist… Es gab vor allem das Problem, aus welchem Material die Rutsche sein soll. Ich machte mir viele Gedanken diesbezüglich, informierte mich im Internet und besprach dann alles mit Samuel. Dass die Schwestern nicht wussten, was eine Rutsche ist, fand ich nicht sehr ungewöhnlich. Dass aber selbst Samuel, ein gebildeter Mann mit perfekten Englischkenntnissen und sehr viel Lebenserfahrung nicht wusste, was eine Rutsche sein soll, hat mich dann doch etwas überrascht. Dank meiner Zeichnungen, die die entsprechenden Maßen enthielten, konnte er sich schon etwas besser vorstellen, was ich von ihm gerne hätte. Wir waren beide optimistisch gestimmt, was den Bau der Rutsche betraf. Aber es war dann doch nicht so einfach, wie anfangs gedacht. Es fehlte das passende Material. Samuel musste es extra aus Mwanza schicken lassen. Das hieß natürlich, dass wir mehr Zeit und mehr Geld investieren mussten. Als dann endlich das Material aus Mwanza geliefert wurde, konnte sich Samuel ans Werk machen. Und dann, nach wochenlanger Zusammenarbeit haben wir es geschafft. Die Rutsche ist fertig. Obwohl sie nicht sehr schön aussieht (grau und etwas rustikal) haben wir uns riesig gefreut! (Wenn ich noch Zeit finde, werde ich die Rutsche mit ein paar Farben aufpeppen)

An einem Mittwochmorgen wurde sie dann ins Waisenhaus gebracht. Da am Vormittag die Vorschule geöffnet hat und auch Kinder vom Dorf auf dem Waisenhausgelände sind, war der Andrang um die Rutsche unbeschreiblich. Pures Chaos. Fünfzig Kinder im Alter von 3-9 Jahren drängelten sich um die Rutsche. Als dann die ersten Wagemutigen sich getraut haben, auf dem unbekannten grauen Ding hinaufzuklettern und dann sehr langsam hinunter zu rutschen, war das Eis gebrochen. Alles war erlaubt, um an das neue Spielgerät heranzukommen. Es wurde gekratzt, geschupst, gezwickt, gehauen, die etwas jüngeren haben sich wortwörtlich durchgebissen (!) und natürlich gaben die Kinder auch verbal alles. Der Lärmpegel war kaum auszuhalten.

Schlange stehen bei der neuen Rutsche

Die ersten haben sich schon auf die Rutsche getraut =)

Verschönerung der Rutsche mit Furaha, Rehema und Neema

Ergebnis

Sofort verewigt ;-)

Ergebnis

An Carola: Daaaankeee dass du uns diese Rutsche finanziert hast =)

Alfonsi beim Proberutschen. Aber immer schön pole pole (langsam)

Zwei Schwestern und ich versuchten die Kinder zu beruhigen, Ordnung in das Chaos zu bringen. Nach wenigen Minuten stellten sich die Kinder in einer Reihe auf, aber sobald ein Kind versuchte, sich vorzudrängeln, wurde wieder geschupst und das Chaos war wieder perfekt.

Inzwischen, gut eine Woche nach der Rutschen-Ankunft haben die Kinder einigermaßen gelernt, sich anzustellen und zu warten, bis sie an der Reihe sind.

Es ist einfach nur schön zu sehen, dass die Kinder jetzt unabhängig von den Schwestern die tollen Spielmöglichkeiten haben: das große Kletternetz, die Reifenbrücke, die stabile Wippe mit Sitze, ein Schaukelgerüst mit Schaukeln und natürlich die neue Rutsche.

Und noch eine Sache:
Unser behindertes Kind (Kupi) hat bis vor ein paar Tagen in einem Baby-Gitterbettchen geschlafen. Natürlich war das viel zu klein, die dünnen Beine hingen aus dem Bett heraus, er konnte sich nicht ausstrecken. Da die Schwestern absolut dagegen waren, dass er in einem großen Bett schläft (sie hatten Bedenken, dass er rausfallen würde), habe ich die Initiative ergriffen und Samuel gefragt, ob er ein größeres Gitterbett für Kupi bauen könnte. Kurze Zeit später stand das große Gitterbett auch schon im Waisenhaus. Nachdem ich mit Sister Mecktilda eine Matratze auf dem Markt gekauft hatte, wir sie auf die passende Größe zuschnitten, konnte Kupi endlich in seinem neuen Bett schlafen… :-)

Kupis neues Bett (rechts) neben dem alten Bett (links)

Vielen Dank an alle Personen, die das Waisenhaus „Angels Home“ in Rulenge auf unterschiedlichste Art und Weise unterstützen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr sich die Kinder auch über Kleinigkeiten freuen! Nur um ein Beispiel von vielen zu nennen: Die Kinder, egal welche Altersklasse kreischen, hüpfen in die Luft und lachen, wenn ich mit 20 Unterhosen ins Waisenhaus komme. Alle rufen „Chupi“ (Unterhose) und drängeln sich zu mir durch, um eine Unterhose zu bekommen. Sie bedanken sich mehrere Male bei mir und zeigen den Helferinnen stolz ihre neuen Unterhosen. Ich glaub kaum, dass sich ein Kind in Deutschland so sehr über Kleidung, geschweige denn über Unterwäsche freuen kann.

Die strahlenden Gesichter der Kinder, das freudige Lachen aller Beteiligten, die feuchten Augen der Helferinnen, als ich ihnen heute meine gebrauchten T-Shirts geschenkt habe, das schüchterne Lächeln der älteren Mädchen, denen ich unter anderem meine BHs gegeben habe und die gar nicht glauben konnten, dass ich ihnen einen Teil meiner Kleider schenken möchte… Diese Erfahrung, einen Menschen zum Lächeln bringen, motiviert mich auch in Deutschland weiter zu machen.

Die Tage sind gezählt, bald muss ich zurück nach Deutschland. Aber ich hoffe sehr, dass ich weiterhin eure Unterstützung habe, den Kindern im Waisenhaus eine Freude zu bereiten. Vielen vielen Dank an alle, die mich während meines Auslandsaufenthaltes unterstützt haben und all dies möglich gemacht haben. Auch von den Schwestern und Helferinnen soll ich ein großes Dankeschön an die Spender ausrichten!!!!! :-)

Hier noch ein paar Bilder vom Waisenhausalltag :-)

Neema: Schuhe putzen für die Schwestern.. und das mit einem breiten Lächeln =)

Vollste Konzentration ;-)

Rad schlagen im Innenhof

Daumen hoch für alle Spender :-)

Eure Franzi